Geschichte der Schule

Alle Beträ­ge sind von Herrn Dr. Vol­ker Schult (ehe­ma­li­ger Lei­ter der deut­schen Abtei­lung) verfasst.

Geschich­te der Schu­le im Überblick 

1884

Grün­dung unter dem Namen Numune‑i Terakki

1896

Ver­staat­li­chung

1910

Namens­än­de­rung in İSTANBUL LİSESİ

1913

Umbe­nen­nung in Istan­bul Sul­ta­ni­si; Ori­en­tie­rung am fran­zö­si­schen Schulsystem

1915

Ent­sen­dung von acht deut­schen Lehrern

1916

Ein neun­ter Leh­rer wird entsandt

1919

Rück­kehr der deut­schen Leh­rer in die Heimat

1923

Namens­än­de­rung in İSTANBUL ERKEK LİSESİ (Istan­bul Knaben-Gymnasium)

1933

Umzug in das heu­ti­ge Schul­ge­bäu­de, das für die Osma­ni­sche Schul­den­ver­wal­tung gebaut wurde

1957

Kul­tur­ab­kom­men zwi­schen der Repu­blik Tür­kei und der Bun­des­re­pu­blik Deutschland

1958

Wie­der­auf­nah­me der Arbeit von deut­schen Lehr­kräf­ten. Drei Leh­rer wer­den entsandt

1964

Auf­nah­me von Mädchen

1982

Namens­än­de­rung in İSTANBUL LİSESİ (Sta­tus einer Anadolu-Schule)

1985

Ein­füh­rung der Koedukation

1986

Per­so­nal­sta­tut für die Lehr­kräf­te der Deut­schen Abtei­lung im Rah­men eines Kul­tur­ab­kom­mens zwi­schen der Repu­blik Tür­kei und der Bun­des­re­pu­blik Deutschland

1987

Besuch des Bun­des­prä­si­den­ten Richard von Weizsäcker

1998

Schul­re­form (8‑jährige Schul­pflicht). Das Istan­bul Lise­si besteht nur noch aus einem 4‑jährigen Lise mit zusätz­lich ein­jäh­ri­ger Vor­be­rei­tungs­zeit für den Unter­richt in deut­scher Sprache

2002

Erst­ma­li­ge Durch­füh­rung von Abiturprüfungen

2008

Koope­ra­ti­ons­ab­kom­men mit Mer­ce­des Benz Türk (MBT)

2009

 – 125-jäh­ri­ges Gründungsjubiläum
– Neu­fas­sung des Per­so­nal­sta­tuts von 1986 für die Lehr­kräf­te der Deut­schen Abteilung
– Auf­nah­me als ein­zi­ge deut­sche Aus­lands­schu­le in MINT-EC
 – Ver­lei­hung des Güte­sie­gels “Exzel­len­te Deut­sche Aus­lands­schu­le” im Rah­men der Bund-Länder-Inspektion

2010

Koope­ra­ti­ons­ab­kom­men mit Sie­mens Türk

2011

Ver­ein­ba­rung mit der TU Kai­sers­lau­tern über ein Früh-/Fern­stu­di­um

2012

1000ster Abitu­ri­ent

 

 

Die Geschich­te der deut­schen Aus­bil­dung am Istan­bul Lisesi 

Die Geschich­te der deut­schen Aus­bil­dung am Istan­bul Lise­si, eine der renom­mier­tes­ten Schu­len der Tür­kei, reicht bis zum Anfang des 20. Jahr­hun­derts zurück. 1911 beschloss das tür­ki­sche Unter­richts­mi­nis­te­ri­um an eini­gen höhe­ren Schu­len des Osma­ni­schen Reichs, die deut­sche Spra­che als Lehr­ge­gen­stand ein­zu­füh­ren. Zwei Jah­re spä­ter erreich­te das Aus­wär­ti­ge Amt in Ber­lin die Anfra­ge des tür­ki­schen Unter­richts­mi­nis­ters Ahmed Schü­kri Bey um Ent­sen­dung eines deut­schen Schul­ex­per­ten, der als Bei­rat des Unter­richts­mi­nis­ters für das gesam­te tür­ki­sche Schul­we­sen die geplan­te Reform durch­füh­ren soll­te. Dar­auf­hin beschloss man in Ber­lin, den Refe­ren­ten für das Aus­lands­schul­we­sen im Aus­wär­ti­gen Amt, den Gehei­men Regie­rungs­rat Pro­fes­sor Dr. Franz Schmidt, zu ent­sen­den. Er trat sei­nen Dienst in Istan­bul am 1. März 1915 an.

Ein Teil der Reform bestand in der Ein­füh­rung der deut­schen Spra­che am schon damals renom­mier­ten Istan­bul Sul­ta­ni­si, dem heu­ti­gen Istan­bul (Erkek) Lise­si.  Erklär­tes Ziel war ein Gegen­stück zu dem erfolg­rei­chen fran­zö­sisch-tür­ki­schen Gala­ta­sa­ray Sul­ta­ni­si, „jener viel­ge­rühm­ten Mus­ter­an­stalt”, wie es in den Akten heißt, zu schaffen.

Im Febru­ar 1915 tra­fen die ers­ten vier deut­schen Leh­rer für das Istan­bul Sul­ta­ni­si ein. Es han­del­te sich um die Ele­men­tar­leh­rer Hans Gabel, Otto Lott­ham­mer, Fried­rich Michel und Peter Rein­holdt, die neben ihrem Gehalt freie Unter­kunft und Ver­pfle­gung erhiel­ten. Nach Kriegs­aus­bruch war das Istan­bul Sul­ta­ni­si mit sei­nen knapp 700 Schü­lern in das kon­fis­zier­te Gebäu­de des Saint Beno­it Lise­si im Stadt­teil Gala­ta umge­zo­gen, wo es bis zum Kriegs­en­de auch blieb.

Da die sprach­li­chen Grund­la­gen gelegt wer­den muss­ten, setz­te der Unter­richt der deut­schen Leh­rer in den Vor­schul­klas­sen ab dem zwei­ten Schul­jahr ein. Von Anfang an wur­den den Deut­schen die Hälf­te aller Stun­den ein­ge­räumt. Die Klas­sen umfass­ten aber bis zu 60–80 Schü­ler, sodass nur lang­sa­me Fort­schrit­te in der Sprach­ar­beit zu ver­zeich­nen waren.

Auf­grund der ins­ge­samt erfolg­rei­chen Arbeit der deut­schen Leh­rer bean­trag­te das tür­ki­sche Unter­richts­mi­nis­te­ri­um aber schon bald die Ent­sen­dung von vier wei­te­ren Leh­rern. Anfang Dezem­ber 1915 tra­fen die Ele­men­tar­leh­rer Wil­helm Seif­fert, Karl Stark, Anton Susen und Richard Thier­bach in Istan­bul ein.

Nach einer Inspek­ti­on durch den zustän­di­gen Gene­ral­di­rek­tor Mus­li­hid­din Adil Bey stell­te die­ser fest, dass im Sprach­un­ter­richt gute Fort­schrit­te erzielt wor­den sei­en. Beson­ders hob er das Pflicht­ge­fühl und die Pünkt­lich­keit der deut­schen Leh­rer her­vor. Ein Inspek­ti­ons­be­such von Schmidt im Mai 1917 kam aller­dings zu dif­fe­ren­zier­te­ren Ergeb­nis­sen (sie­he geson­der­ten Bei­trag auf der Homepage).

Auch nicht jeder deut­sche Leh­rer kam mit den anders­ar­ti­gen Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen in Istan­bul zurecht. So beschwer­te sich Leh­rer Susen in einem Brief in die Hei­mat über das schlech­te Essen. So erhiel­ten die Deut­schen altes und dunk­les Brot und nur ein Ei. Außer­dem muss­ten sie mit ver­schmutz­ten und ver­kleb­ten Ser­vi­et­ten vor­lieb neh­men. Alles in allem füh­re man ein ent­beh­rungs­rei­ches Dasein.

Zu Beginn des Schul­jah­res 1916/17 erfolg­te die Ent­sen­dung eines neun­ten Leh­rers, des Real­schul­leh­rers Wil­helm Ross­na­gel. Mit dem Fort­schrei­ten des Krie­ges ver­schlech­ter­te sich auch die mate­ri­el­le Lage der Leh­rer wegen hoher Prei­se und Lebens­mit­tel­knapp­heit. Nach Ende der Som­mer­fe­ri­en im Jahr 1917 kehr­te der Leh­rer Stark auch aus die­sen Grün­den aus sei­nem Hei­mat­ur­laub nicht wie­der zurück, was, so Schmidt, den „deut­schen Inter­es­sen an der Schu­le” und dem deut­schen Anse­hen ins­ge­samt gescha­det habe.

Als sich die Nie­der­la­ge abzeich­ne­te, wur­de Schmidt eröff­net, dass alle mit den Lehr­kräf­ten abge­schlos­se­nen Ver­trä­ge zum 8. Novem­ber 1918 auf­ge­ho­ben sei­en. Die letz­ten deut­schen Leh­rer kehr­ten aber erst im Janu­ar 1919 in die Hei­mat zurück.

Schmidts Fazit der deut­schen Bil­dungs­ar­beit lau­te­te denn auch, dass in der Kür­ze der Zeit kei­ne blei­ben­de Wir­kung auf dem Gebie­te des tür­ki­schen Bil­dungs­we­sens erzielt wer­den konn­te. „Daher war auch jene Arbeit nur Epi­so­de, Stückwerk.”

Quel­le: Doku­men­te aus dem Poli­ti­schen Archiv des Aus­wär­ti­gen Amts und des Bun­des­ar­chivs in Berlin.

Dr. Vol­ker Schult (ehe­ma­li­ger Lei­ter der Deut­schen Abteilung)

Der Neu­be­ginn der deut­schen Aus­bil­dung am Istan­bul Lisesi

Durch die Bemü­hun­gen des Erzie­hungs­mi­nis­ters Hüs­eyin Cel­al Yar­dımcı, der auch ehe­ma­li­ger Schü­ler des Istan­bul Lise­si war (IEL 1927), konn­te mit der deutsch­spra­chi­gen Aus­bil­dung am Istan­bul (Erkek) Lise­si wie­der begon­nen wer­den. Das Kul­tur­ab­kom­men zwi­schen bei­den Län­dern von 1957 leg­te die all­ge­mei­ne Grund­la­ge für den erneu­ten Ein­satz von deut­schen Lehr­kräf­ten am Istan­bul Erkek Lisesi.

Am 8. Juli 1958, einen Monat nach in Kraft­tre­ten des Kul­tur­ab­kom­mens, erreich­te die deut­sche Bot­schaft die über­ra­schen­de Bit­te aus dem tür­ki­schen Erzie­hungs­mi­nis­te­ri­um, zum 15. Sep­tem­ber drei deut­sche Lehr­kräf­te an das Istan­bul Erkek Lise­si zu ent­sen­den. Es sei geplant, die Schu­le im Lau­fe der Jah­re so umzu­ge­stal­ten, dass der gesam­te Fach­un­ter­richt, bis auf Geschich­te und Geo­gra­phie, in deut­scher Spra­che erteilt wer­den soll. Da das Istan­bul Erkek Lise­si als eine der bes­ten öffent­li­chen Ober­schu­len der Tür­kei gel­te, emp­fahl man, die Situa­ti­on zu nut­zen. Meh­re­re Regie­rungs­mit­glie­der, inklu­si­ve des Erzie­hungs­mi­nis­ters, waren Absol­ven­ten der Schule.

Am 20. Okto­ber 1958 um 09.30 Uhr erfolg­te die fei­er­li­che Eröff­nung der deut­schen Abtei­lung der Schu­le. Aller­dings waren zu die­sem Zeit­punkt noch kei­ne deut­schen Leh­rer ein­ge­trof­fen. Drei tür­ki­sche Deutsch­leh­rer über­nah­men des­halb zunächst den Unter­richt. Das Gene­ral­kon­su­lat warn­te, dass die­ses Pro­vi­so­ri­um nicht von lan­ger Dau­er sein dür­fe, denn es könn­te von der tür­ki­schen Sei­te zum Dau­er­zu­stand gemacht wer­den. Erst am 1. April 1959 nah­men die Leh­rer Stu­di­en­rat Dr. Ger­hard Kopp, Stu­di­en­as­ses­sor Fritz Krü­ger und Volks­schul­leh­rer Rudolf Horn ihren Dienst auf. Bis zum Schul­jahr 1961/62 stieg die Zahl der deut­schen Leh­rer auf sie­ben an und erhöh­te sich zum Schul­jahr 1962/63 auf neun. Mit einem Wochen­de­pu­tat von 25 Stun­den unter­rich­te­ten sie 11 Klas­sen mit 425 Schü­lern in den Fächern Deutsch, Mathe­ma­tik, Phy­sik, Che­mie und Biologie.

Aller­dings tra­ten in den Anfangs­jah­ren Schwie­rig­kei­ten auf. Die­se lagen ins­be­son­de­re dar­in, dass nicht genü­gend deut­sche Lehr­kräf­te ent­sandt wur­den und die­se erst meh­re­re Mona­te nach Schul­be­ginn ein­tra­fen. Als Not­maß­nah­me ent­schloss sich die tür­ki­sche Schul­lei­tung, Klas­sen zusam­men zu legen. Dadurch stieg die Klas­sen­fre­quenz auf über 50 Schü­ler an. Zusam­men mit dem Aus­fall von Unter­richt führ­te das zu einem Leis­tungs­ab­fall, wie die deut­schen Leh­rer klag­ten. Es wur­de gewarnt, dass das Schei­tern des Auf­baus eines deutsch­spra­chi­gen Fach­un­ter­richts am Istan­bul Erkek Lise­si zu einem gro­ßen Pres­ti­ge­ver­lust der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land füh­ren werde.

Letzt­end­lich ent­schloss man sich für die Auf­sto­ckung des deut­schen Lehr­per­so­nals zu sor­gen, sodass heu­te ins­ge­samt 34 deut­sche Lehr­kräf­te ihren Dienst tun. Zunächst wähl­ten die deut­schen Leh­rer aus ihren Rei­hen einen Spre­cher. Die­ser über­nahm all­mäh­lich die Funk­ti­on eines Lei­ters der Abtei­lung. Seit 1974 wer­den die Lei­ter direkt aus Deutsch­land entsandt.

Quel­le: Doku­men­te aus dem Poli­ti­schen Archiv des Aus­wär­ti­gen Amts und des Bun­des­ar­chivs in Berlin.

Dr. Vol­ker Schult (ehe­ma­li­ger Lei­ter der Deut­schen Abteilung)

Das Schul­ge­bäu­de des Istan­bul Lise­si – eine beson­de­re Geschichte

Zahl­rei­che kost­spie­li­ge und ver­lust­rei­che Krie­ge führ­ten 1881 zum Staats­bank­rott des Osma­ni­schen Reichs. Unter dem Druck der aus­län­di­schen Gläu­bi­ger muss­te Sul­tan Abdül­ha­mid II. der Errich­tung der Otto­ma­ni­schen Schul­den­ver­wal­tung (Düyun‑ı Umu­mi­ye, Admi­nis­tra­ti­on De La Det­te Publi­que Otto­ma­ne) zustim­men. Damit stand das Osma­ni­sche Reich bis zur voll­kom­me­nen Rück­zah­lung sei­ner Aus­lands­schul­den unter inter­na­tio­na­ler Finanz­kon­trol­le. Ent­spre­chend der Antei­le an den tür­ki­schen Schul­ver­schrei­bun­gen wur­de der sie­ben­köp­fi­ge Ver­wal­tungs­rat mit Sitz in Istan­bul besetzt. Zwei Fran­zo­sen, je ein Deut­scher, Eng­län­der, Öster­rei­cher, Ita­lie­ner und ein Dele­gier­ter der Osma­ni­schen Regie­rung (ohne Stimm­recht) ver­tra­ten die Anleihegläubiger.

Die­se gänz­lich unter euro­päi­scher Kon­trol­le ste­hen­de Osma­ni­sche Schul­den­ver­wal­tung über­nahm die allei­ni­ge Ver­wal­tung von sechs wich­ti­gen Steu­er­quel­len des Staa­tes, um aus die­sen Ein­nah­men die Schul­den all­mäh­lich abzubezahlen.

Zunächst nahm die Schul­den­ver­wal­tung ihre Tätig­keit im Gebäu­de Cel­al Bey Han auf. Nach kur­zer Zeit stell­te sich her­aus, dass das Gebäu­de für die gewal­ti­ge Auf­ga­be zu klein war. Des­halb erhielt der fran­zö­sisch-tür­ki­sche Archi­tekt Alex­and­re Val­lau­ry (1850–1921) den Auf­trag,  ein neu­es reprä­sen­ta­ti­ves Gebäu­de für die Schul­den­ver­wal­tung auf dem Gelän­de von Ahmet Paşa´s Çif­te Kona­klar in Cağa­loğlu zu errich­ten. Das Gebäu­de der Düyun‑ı Umu­mi­ye wur­de 1899 fer­tig­ge­stellt. Val­lau­ry ver­band die monu­men­ta­le osma­ni­sche Archi­tek­tur mit Ele­men­ten tra­di­tio­nel­ler tür­ki­scher Wohn­ar­chi­tek­tur. Die Haupt­ver­wal­tung der „Det­te Publi­que” erhielt so  ein eige­nes gewal­ti­ges Gebäu­de, das bis heu­te auf das Gol­de­ne Horn bli­ckend aus der Sil­hou­et­te Istan­buls herausragt.

Für die Schul­den­ver­wal­tung arbei­te­ten im Jahr 1912 ins­ge­samt knapp 9.000 Leu­te, ein Drit­tel mehr als im Osma­ni­schen Finanz­mi­nis­te­ri­um. Sie war für ca. ein Drit­tel des Steu­er­auf­kom­mens des Osma­ni­schen Reichs alleinverantwortlich.

Mit Beginn des 1. Welt­kriegs erklär­te die tür­ki­sche Regie­rung ein Mora­to­ri­um für die Zah­lun­gen der Aus­lands­schul­den. Auf der Kon­fe­renz von Lau­sanne 1923 ent­schied der Ver­wal­tungs­rat, dass die neu­ge­grün­de­te Tür­ki­sche Repu­blik für 67% der Vor­kriegs­schul­den des Osma­ni­schen Reichs ver­ant­wort­lich sei. Aller­dings unter­zeich­ne­te man erst 1928 ein ver­bind­li­ches Abkommen.

Wegen der ein­set­zen­den Welt­wirt­schafts­kri­se sah sich die Tür­kei nicht in der Lage, die Aus­lands­schul­den zu bedie­nen. Des­halb wur­de 1933 ein wei­te­res Abkom­men unter­zeich­net, das die Schuld der Tür­kei wei­ter redu­zier­te. Aller­dings dau­er­te es noch bis 1954, bis die letz­te Rate bezahlt wurde.

Bereits 1929 hat­te man den Sitz der Schul­den­ver­wal­tung nach Paris ver­legt. Damit stand das gewal­ti­ge Gebäu­de der ehe­ma­li­gen Schul­den­ver­wal­tung zunächst ein­mal leer. Für das Istan­bul Erkek Lise­si began­nen nach dem 1. Welt­krieg Jah­re des Umzugs. Als 1933 wie­der ein sol­cher Umzug anstand, entschied Mus­ta­fa Kemal Ata­türk, Grün­der­va­ter und Prä­si­dent der Tür­ki­schen Repu­blik, dass das Gebäu­de der Schul­den­ver­wal­tung für die Aus­bil­dung der jun­gen Genera­ti­on genutzt wer­den soll­te und über­ließ es dem Istan­bul Erkek Lise­si. Dies war bis heu­te der letz­te Umzug der Schule.

Mit die­ser Ges­te ehr­te Ata­türk zugleich die Schü­ler der Schu­le, die für ihr Vater­land Opfer gebracht hat­ten. Wäh­rend des 1. Welt­kriegs wur­de ein Teil des Schul­ge­bäu­des von St. Beno­it, das das Istan­bul Sul­ta­ni­si (Istan­bul Erkek Lise­si) beher­berg­te, als Hos­pi­tal genutzt. Zur Kennt­lich­ma­chung wur­de des­sen obers­tes Stock­werk gelb gestri­chen. Mit Beginn des Çan­ak­ka­le- (Dar­da­nel­len-) Feld­zugs mel­de­ten sich auch 50 Schü­ler des Abschluss­jahr­gangs des Istan­bul Sul­ta­ni­si für den Kriegs­ein­satz. Nach kur­zer Aus­bil­dungs­zeit brach­te man sie am 16. Mai 1915 an die Front nach Geli­bo­lu. Am 19. Mai 1915 um 3.30 Uhr fie­len alle Schü­ler dem Beschuss durch bri­ti­sche Schiffs­gra­na­ten zum Opfer. Nach­dem die Nach­richt die Schu­le erreicht hat­te, strich man zum Zei­chen der Trau­er die Tür- und Fens­ter­rah­men der Schu­le schwarz an. So ent­stan­den die gelb-schwar­zen Tra­di­ti­ons­far­ben der Schu­le. “Wir haben in Çan­ak­ka­le eine Dar­ül­fü­nun (Uni­ver­si­tät) begra­ben”, lau­te­ten Ata­türks Wor­te. Zur Erin­ne­rung, Mah­nung und zur Auf­recht­erhal­tung der Tra­di­ti­on fährt auch heu­te jedes Jahr der neue Schü­ler­jahr­gang mit der Schul­fa­mi­lie nach Çanakkale.

Dr. Vol­ker Schult (ehe­ma­li­ger Lei­ter der Deut­schen Abteilung)

Die deut­schen Lei­ter am Istan­bul Lisesi

Nach dem Abschluss des deutsch-tür­ki­schen Kul­tur­ab­kom­mens 1957 ergriff der dama­li­ge Erzie­hungs­mi­nis­ter Cel­al Yar­dımcı (IEL 1927) die Initia­ti­ve, das IEL zu einem staat­li­chen, deutsch­spra­chi­gen Gym­na­si­um umzu­wan­deln. Auf Bit­ten der tür­ki­schen Regie­rung schick­te die Bun­des­re­pu­blik im Schul­jahr 1958/1959 die ers­ten deut­schen Leh­rer. Die­se wähl­ten sich im zwei­ten Jahr zunächst einen Spre­cher; die­ser über­nahm all­mäh­lich die Funk­ti­on eines Lei­ters der Abtei­lung. Spä­ter wur­den die Lei­ter von Deutsch­land bestimmt und ernannt. Seit Mit­te der 90er Jah­re hat der Lei­ter nach innen qua­si die Funk­ti­on eines deut­schen Schul­lei­ters. Er ver­ant­wor­tet gegen­über der Zen­tral­stel­le für das Aus­lands­schul­we­sen (ZfA) sowie der Kul­tus­mi­nis­ter-Kon­fe­renz (KMK) den Ein­satz der Leh­rer, die Ver­wen­dung von finan­zi­el­len Mit­tel und die kor­rek­te Durch­füh­rung aller Prü­fun­gen zum Abitur oder Sprach­di­plom. Der deut­sche Lei­ter muss den deut­schen Stel­len von der ZfA bis zum Außen­mi­nis­te­ri­um in Ber­lin regel­mä­ßig über die Ent­wick­lung der Schu­le Bericht erstatten.

Über­sicht über die deut­schen Leiter:

Her­bert Bür­ger                      1959 – 1963 (gewähl­ter Sprecher)

Rudolf Stett­ner                      1963 – 1968 (gewähl­ter Sprecher)

Christ­fried Kublik                  1968 – 1974 (zunächst gew. Spre­cher, dann bestätigt)

Wal­ter Unger                         1974 – 1979 (von Deutsch­land bestimm­ter Leiter)

Klaus Wicke                          1979 – 1981

Die­ter Hacken­berg               1981 – 1989

Ber­told Ban­gert                     1989 – 1993

Hel­mut Friedl                         1993 – 1996

Her­mann Aulin­ger                 1996 – 2003

Micha­el Schopp                     2003 – 2009

Dr. Vol­ker Schult                     2009 -

 

Dr. Vol­ker Schult (ehe­ma­li­ger Lei­ter der Deut­schen Abteilung)