Deutschunterricht am Istanbul Lisesi

Der Deutschunterricht am Istanbul Lisesi hat mit der Aufnahme von 22 deutschen Lehrern bereits im Jahr 1914 eine sehr lange Tradition. Nach dem 2.Weltkrieg wurde und wird seit 1957 Deutsch als 1. Fremdsprache unterrichtet, Deutsch ist die Unterrichtssprache in Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern. Gegenwärtig, seit der Schulreform in der Türkei, bei der die 5-jährige Grundschulzeit auf acht Jahre erhöht wurde, hat das Istanbul Lisesi nur noch fünf Jahre Deutschunterricht anstatt wie früher acht Jahre.

Die erste Klasse, die Hazirlik, ist eine Einführungsklasse, die hauptsächlich dem Erwerb der neuen Fremdsprache dient. Die Schülerinnen und Schüler werden in ein regelrechtes Sprachbad getaucht – sie haben 20 Stunden Deutschunterricht in der Woche und zusätzlich Mathematik und Naturwissenschaften auf Deutsch. Von den 20 Stunden Deutschunterricht werden 10 von deutschen Lehrern und Lehrerinnen erteilt und die andere Hälfte von türkischen Kollegen. Die sogenannten deutsch-türkischen Tandems unterrichten in beiderseitiger Absprache nach dem Lehrwerk „Menschen“ bis zur Niveaustufe B1. Während im Unterricht des Muttersprachlers die Aussprache, die Intonation, das Lesen und das freie Sprechen im Vordergrund stehen, werden bei den türkischen Lehrerinnen auch muttersprachliche Erklärungen zum Vokabular und vor allem zu den sprachlichen Strukturen und der Grammatik gegeben. Die Fortschritte, die die Schüler und Schülerinnen machen, sind bei einem so intensiven Unterricht rasant. Nach zwei Monaten Sprachunterricht können sie schon sehr viel sprechen und gehen souverän mit ihrem Wörterbuch um. Wichtig ist dabei, den Unterricht immer wieder zu variieren, damit keine Eintönigkeit aufkommt und auch schwächere Schüler mitzuziehen und zu motivieren, damit sie bei dem Tempo nicht den Anschluss verlieren.

In der 9. Klasse bleiben die Tandems bestehen. Hier werden 5 Stunden Deutsch von Deutschen unterrichtet und 4 Stunden von Türken. Die 9. Klasse wird nach dem Lehrwerk „Studio B“ bis zum frühen C1-Niveau unterrichtet. Nach den langen Sommerferien knüpfen die Schülerinnen und Schüler erst allmählich wieder an ihre bisher erlangten Kenntnisse an. Die erste Begeisterung für die neue Sprache muss wiederbelebt werden. Die Fortschritte werden langsamer und mühsamer. Andere Fächer nehmen jetzt breiteren Raum ein und ziehen Energien vom Deutschunterricht ab.

Die 10. Klasse ist wichtig als Übergangsstufe vom reinen Spracherwerb zum Oberstufenunterricht in den Klassen 11 und 12. Hier werden fünf Stunden Deutschunterricht erteilt. Von nun an werden sie mit dem Lehrwerk „P.A.U.L. Oberstufe“ unterrichtet.

Ab der 11. Klasse gelten die Unterrichtsinhalte der Oberstufe in Deutschland. Die Schülerinnen und Schüler haben zwei Möglichkeiten für einen deutschen Abschluss. Sie können in der 12. Klasse das DSD II, das deutsche Sprachdiplom erwerben oder das Abitur anstreben. Das Sprachdiplom ist der Nachweis für gute Deutschkenntnisse. Sollte ein Schüler/eine Schülerin in Deutschland studieren wollen, werden mit dem DSD II ausreichende Deutschkenntnisse bescheinigt, die eine Sprachprüfung obsolet machen. Das bestandene Abitur macht türkische Schüler und Schülerinnen zu sog. Bildungsinländern, d.h. sie haben die gleichen Voraussetzungen wie deutsche Schüler und Schülerinnen für das Studium an deutschen Hochschulen. Gleichzeitig ermöglicht es ihnen einen Zugang zu vielen europäischen und amerikanischen Universitäten, die das Abitur anerkennen. Seit dem Schuljahr 2016/17 ist auch der Doppelabschluss am Istanbul Lisesi möglich, da immer mehr Universitäten neben dem Abitur auch das Sprachdiplom als Zugangsvoraussetzung verlangen.

Da der größte Teil der Schülerinnen und Schüler am Istanbul Lisesi FEN orientiert ist, d.h. einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Abschluss anstrebt, und gerade diese wesentlichen Fächer auf Deutsch unterrichtet werden, kommt dem Deutschunterricht an der Schule eine ganz zentrale Funktion zu, die weit über den reinen Fremdsprachenerwerb hinaus geht. Der Deutschunterricht ist die Grundlage, um das Istanbul Lisesi in allen deutschen Fächern erfolgreich zu absolvieren.

Geschrieben von Eva Aydın

Deutsch lernen am Istanbul Lisesi

Die Schülerinnen und Schüler der Vorbereitungsklassen lernen nicht nur hervorragend Deutsch, sondern erwerben auch wichtige Arbeitsmethoden. Hier finden sich einige Beispiele für Mind-Maps. Das breite Spektrum der methodischen und fachlichen Kompetenzen zeigen auch die weiteren Beiträge des Fachbereichs Deutsch, der anderen Fachbereiche und des Pädagogischen Qualitätsmanagements am Istanbul Lisesi.

Deutsch in der Oberstufe

Im vierten Lernjahr einer Fremdsprache fällt es doch noch schwer einen umfangreichen und anspruchsvollen Text zu verfassen, der nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich auf hohem Niveau ist.
Was mich diesbezüglich immer wieder positiv überrascht, ist die Sprachkompetenz, die Schülerinnen und Schüler des Istanbul Lisesi auf dem Weg zum deutschen Abitur erwerben.
Als anschauliches Beispiel möchte ich kurz aus einer Klausur einer Schülerin zitieren, die sich in ihrem vierten Lernjahr Deutsch (Klasse: 11, Alter: 17) mit Sprach- und Kommunikationstheorien befasst. Als Hilfsmittel wurde in der Klausur ein Wörterbuch zur Verfügung gestellt:

Aufgabenteil II
„In dem Textauszug aus Lewis Carrolls Roman „Alice hinter den Spiegeln” geht es um die Kommunikationssituation von Alice und Googlemoggle. Als sich Alice und Googlemoogle über Geburtstage unterhalten, benutzt Googlemoogle ein Wort im falschen Kontext. Deshalb kann Alice ihn nicht verstehen und fragt noch einmal nach, was er meint. Er belehrt sie in seinem „hochmütigen Ton” (Zeile 41) und sagt, dass es beim Gebrauch eines Wortes „richtig” (Z. 42) und ganz normal sei, sich eine beliebige Bedeutung auszudenken. Dann wendet Alice ein, indem sie fragt, ob man das ohne weiteres machen darf.
De Saussure definiert das sprachliche Zeichen als die Verknüpfung eines Lautbildes mit der Vorstellung. Also gibt es zwei Ebenen: Lautbild (Ausdrucksseite) und Vorstellung (Inhaltsseite). Die Beziehung dieser Ebenen ist konventionell, sie sind also gesellschaftlich festgelegt. Deswegen ist die Wortbildung nicht willkürlich.
Hier verwendet Googlemoogle Worte in einem seltsamen Zusammenhang, die eigentlich eine andere Bedeutung haben. Deswegen ist es schwer für Alice ihn zu verstehen. Wenn er „Glocke” (Z. 35) sagt, hat sie eine Vorstellung, nämlich die einer uns bekannten Glocke. Aber diese Vorstellung stimmt nicht mit Googlemoogles Vorstellung überein. Er meint nämlich einen „einmalig schlagende(n) Beweis” (Z. 38).
Die Kommunikation wird kompliziert, weil sie ihn nicht versteht. Es entsteht ein Kommunikationsproblem. Er ordnet den Vorstellungen andere Lautbilder zu, indem er sich ganz willkürlich herausnimmt, den Worten neue Bedeutungen zu geben. Die Problematik besteht schließlich darin, dass sie sich nicht verstehen können.
Man kann Wörter nicht einfach etwas anderes heißen lassen. Die Wortbildung ist nicht arbiträr, also willkürlich. Die Beziehung zwischen Lautbild und Vorstellung ist konventionell. Wenn man das passende Lautbild einer Vorstellung verändert, führt das zu Unverständnis bzw. Missverständnissen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die wirkliche Verständigung zwischen Menschen nicht möglich ist, wenn sie den gleichen Lautbildern verschiedene Vorstellungen zuordnen (…).” (Klausur von Rezan I.)

Das wissenschaftspropädeutische Arbeiten anhand von Originaltexten wird hier eingeübt; das Zitieren, das Anwenden und Beleuchten von Theorien und das selbstständige und begründete Positionieren zählen hier zu den Kompetenzen, die die Schülerin dieser Oberstufe erlangt hat. Der absolut kompetente Umgang mit einer fast fehlerfreien Fremdsprache befähigt sie dazu, komplexe Inhalte verständlich darzustellen, zu reflektieren und zu transferieren. Noch eins sei gesagt: Diese Klausur ist kein Einzelfall. 
(Aylin Yavuz)

Erster Platz bei der Deutscholympiade 2016 in der Türkei

Geschrieben von Eva Aydın

Die Schülerin Arzu Gencer der Klasse 9 F belegte am 16. April 2016 beim nationalen Vorentscheid zur internationalen Deutscholympiade den ersten Platz in der Türkei auf der Niveaustufe B2. Nach einem langen, aber auch interessanten Wettkampf konnte Arzu als Siegerin gekürt werden.
Vom 17. bis 30. Juli 2016 darf die Schülerin nun in Berlin an der internationalen Deutscholympiade teilnehmen. Hier wird sie auf 135 andere junge Deutschlerner aus insgesamt 68 Ländern treffen und sicher viele neue Erfahrungen sammeln können. Für den Wettstreit um die Auszeichnung des besten Deutschlerners wünschen wir ihr viel Erfolg!